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Schweizer Mehrkampfmeisterschaften in Hochdorf

Aktualisiert: 10. Okt 2019

«Abendstund hat Gold im Mund» so die Bilanz des TVR vom vergangen Mehrkampf-SM-Wochenende in Hochdorf. Am Sonntagabend um 19.20 Uhr lief Aline Kämpf über die Ziellinie im abschliessenden 800m-Lauf des Siebenkampfes. Mit 4 neuen persönlichen Bestleistungen und einer Endpunktzahl von 5007 Punkten durfte sie sich danach als verdiente Schweizer Meisterin bei den weiblichen U20 feiern lassen. Fabian Zihlmann zeigte in Anbetracht seiner Fussprobleme einen guten 10-Kampf bei den männlichen U18 und wurde 14. Ebenfalls in der ersten Ranglistenhälfte konnte sich Alexia Groh bei ihrem 7-Kampf Debüt platzieren. Sie wurde 19. bei den WU18. Auch Lara Bidder als 40. im 5-Kampf der WU16 fand in der ersten Ranglistenhälfte Unterschlupf. Birk Kähli konnte seinen 10-Kampf im Feld der Aktiven in Folge Krankheit leider nicht beenden.

FBö. Erster Tag: «Der frühe Vogel fängt den Wurm» hiess es Samstags um 6.15h zunächst einmal für den ersten Athleten, Fabian Zihlmann und seinen Betreuer Matthias Müller bei der Abfahrt nach Hochdorf, denn bereits um 8.55h fiel der Startschuss zum 100m-Lauf im 10-Kampf der MU18. Nach einer Woche Trainingspause wegen Fussproblemen war Fabian’s Einstieg in den Wettkampf mit 12.20s ok. Es folgte der Stabhochsprung, in welchen in den letzten Wochen relativ viel investiert worden war. Ins Schlottern kamen dabei die Betreuer nicht wegen Fabian’s Leistung, diese war mit neuer PB von 3.30m hervorragend und souverän, sondern wegen der noch kühlen Temperaturen an diesem immer noch frühen Morgen. Nach einer kurzen Mittagspause ging es dann weiter mit dem Diskuswerfen, an welchem ebenfalls in den vergangenen Wochen noch Umstellungen vorgenommen werden mussten, nachdem Fabian in der ersten Saisonhälfte in dieser Disziplin erhebliche Schwierigkeiten bekundet hatte. Beruhigend jedoch waren schon die stabilen Würfe beim Einwerfen und dann der erste solide Wurf auf knapp 30m zu Wettkampfstart. Danach allerdings, als Fabian etwas mehr Gas geben wollte, offenbarten sich wieder die alten Probleme mit dem Gleichgewicht und der Ungeduld, was dazu führte, dass der zweite Wettkampf-Wurf im Netz und er letzte viel zu früh landeten. Kein Traumergebnis also, aber eine solide Leistung. Abhaken und weiter zum Speer, einer Stärke von Fabian. Und tatsächlich waren dann die ersten zwei Wettkampfwürfe von Fabian eigentlich sehr gut, nur dass beide Male der Speer nicht mit der Spitze voran den Boden berührte und die Würfe damit ungültig waren. Grosse Nervosität beim Betreuter-Team und Athleten also vor dem letzten Wurf, zumal der Trainer technisch eigentlich nichts zu korrigieren hatte. Also ordnete er kurzerhand an, einen anderen Speer zu benutzen. Und siehe da: Fabien hatte den Mut trotz dem drohenden «Nuller» nochmal voll zu werfen und nicht einen Sicherheitswurf zu machen, und der «neue» Speer senkte sich diesmal schön Spitze voran Richtung Boden und landete schliesslich bei 40.86m, nahe an Fabian’s PB. Grosse Erleichterung, insbesondere auch beim Athleten, der diese dann gleich in den abschliessenden 400m-Lauf mitnahm und dort in 53.13s eine sehr gute neue PB aufstellte. Damit war Fabian’s erster Wettkampftag bei einem Stand von 2631 Punkten auf Rang 11 zu Ende, während die anderen TVR AthletInnen Alexia, Aline, Lara, und Birk, die Ihre Wettkämpfe erst zwischen 11 und 14 Uhr aufgenommen hatten, noch mittendrin stecken.

Lara absolvierte den 5-Kampf der weiblichen U16. Der Start mit 10.97s über 80m war ok, die 4.71m im Weitsprung allerdings eher unterdurchschnittlich. Ihre Knochenhautentzündung machte ihr hier besonders zu schaffen. Beim Kugelstossen, im Moment noch nicht unbedingt eine Stärke Laras, resultierten für die 8.59m mit der 3kg Kugel 498 Punkte. Der Hochsprung war für Lara’s Verhältnisse und unter den gegebenen schmerzhaften Umständen mit 1.30m ebenfalls ok, aber halt im Vergleich mit den guten Mehrkämpferinnen, auf die sie hier 20-30 cm verlor, zu wenig. Der 1000m-Lauf in 3:52.15 schliesslich brachte sie auch nicht weiter nach vorne, war aber im Feld der 95 !! WU16 Mehrkämpferinnen noch einigermassen im Rahmen. Es resultierte der 40. Platz, also eine Rangierung in der ersten Ranglistenhälfte. Aber gut, ist die Saison nun zu Ende, und Lara kann ihrem Körper nun hoffentlich die Ruhe gönnen, die er braucht, um die stetigen Rücken- und Schienbeinprobleme auszukurieren.

Ihren ersten 7-Kampf absolvierte Alexis Groh. Sie startete mit einer Zeit von 16.03s über die 100m Hürden und verfehlte dabei ihr persönliches Ziel - eine 15er-Zeit - nur ganz knapp. Im Weitsprung startete sie verhalten und mit (viel zu) grossen Reserven beim Balken, vermochte sich dann aber im 2. und insbesondre 3. Sprung stetig zu steigern. Mit 5.05m war sie in der ersten Hälfte des Weitsprungklassements platziert und durfte dafür 573 Punkte einstreichen. Waren im Weitsprung die Leistungen doch relativ ausgeglichen, offenbarten sich im Speerwerfen riesige Unterschiede zwischen den Athletinnen: zwischen fast 39m bis 17m streuten die Weiten und mit 26.06m resultierte für die nicht-Wurfspezialistin Alexia wiederum ein Mittelfeldplatz. Dasselbe galt für den abschliessenden 200m-Lauf, Alexia’s erst zweiten 200er überhaupt. Ihre 27.46s waren wiederum eine Leistung ziemlich genau in der Mitte der Streubreite der Zeiten, aber bereits die SM-Limite in dieser Disziplin fürs nächste Jahr. Mit 2358 Punkten belegte Alexia nachdem ersten Tag den 23. Platz unter 42 platzierten Athletinnen.

Birk Kähli absolvierte den Wettkampf mit seinen Trainingskollegen vom Leistungszentrum und unter der Betreuung seines Trainers Nicola Gentsch. Er kam nach eigenen Angaben in den ersten Disziplinen nicht so richtig in den «flow». Im 100m-Lauf in 11.68s, Weitsprung mit 6.03m und Kugelstossen mit 10.79m blieb er jeweils immer leicht hinter den eigenen Erwartungen zurück. Nach 1.65m im Hochsprung überkam ihn ein Schüttelfrost und er realisierte, dass er wohl nicht nur «nicht in den flow» kam, sondern wohl gar krank würde. Sein 400m-Lauf war dann auch entsprechend kraftlos und in 53.58s ebenfalls unter den Erwartungen. Trotzdem freute er sich auf den zweiten Tag und hoffte, dass das mit der Erkältung oder was auch immer es sei, schon nicht so schlimm würde. Die für ihn enttäuschenden 3002 Punkte aus dem ersten Tag hakte er professionell positiv nach vorne schauend ab.

Bleibt noch der Bericht des ersten Wettkampftages von Aline Kämpf, die infolge Abwesenheit der stärksten U20 Mehrkämpferin Annik Kälin, als Medaillenkandidatin gehandelt werden durfte. Aline nahm ihren Wettkampf erst gegen 14h auf und startete in 14.86s über die 100m Hürden gleich mit einer PB in den Wettkampf. Endlich klappte es mit dem neuen 7-Schritt Anlauf auf die erste Hürde, und zwar locker. Im Hochsprung stieg sie – vorsichtig wie immer - bei 1.50m in den Wettkampf ein und absolvierte jede Höhe bis zu 1.64m im ersten Anlauf. Bei 1.67m dann brauchte sie deren zwei Versuche zu Ihrer zweiten neuen PB an diesem Tag, und war danach alleine im Wettkampf. Auf 1.70m scheiterte sie dann leider 3-mal, wobei der 2te Versuch sehr, sehr knapp war - ein leichtes Streifen mit der Wade brachte die Latte schliesslich noch zu Fall. Nach dem Hochsprung lag Aline damit nach 2 Disziplinen in Führung und baute diese dann im 4kg-Kugelstossen mit 11.54m nochmals aus. Sie nahm damit allen Konkurrentinnen mindesten einen Meter, sprich fast 100 Punkte ab. Um 20h !! schliesslich starten die WU20-Mehrkämpferinnen dann noch zu ihrem abschliessenden 200m-Lauf. In 25.86s war Aline auch hier die schnellste und beendete damit den ersten Kampftag mit 3118 Punkten und damit fast 200 Punkten Vorsprung auf die nächsten Konkurrentinnen.

Zweiter Tag: Und wieder hiess es für Fabian und Matthias um 6.15h Abfahrt Richtung Hochdorf. Dort angekommen galt es, den Körper wieder auf Betriebstemperatur zu bringen und die müden, verspannten Muskeln gut einzudehnen für den Lauf über die 110m Hürden. In 17.24s gelang dies Fabian relativ gut. Der Lauf war harmonisch, der Wechsel vom 3er- auf den 4er-Rhytmus nach der 5. Hürde klappte reibungslos, und mit nur 3 Hürdentuschen, brachte er diese erste Disziplin des zweiten Tages hinter sich. Im Klassement allerdings büsste er ein paar Punkte auf die Konkurrenz ein im Kampf um einen Top-10 Platz. Im Weitsprung bekundete er zunächst Probleme mit dem Anlauf und kam nicht an den Balken heran, rettete sich mit 5.83m im letzten Sprung aber wieder zu einer soliden Leistung. Weiter ging es Schlag auf Schlag mit dem Kugelstossen. Mit 11.80m durften Betreuer und Athlet hier eigentlich zufrieden sein. 12m wären schön gewesen, aber auch so machte Fabian wieder Boden gut auf die direkte Konkurrenz. Dann der Hochsprung, leider nicht die Stärke von Fabian. Nach der Minimalzielhöhe von 1.50m war leider bereits Schluss. Seine Fussverletzung machte ihm hier wieder vermehrt Probleme, aber dennoch muss in dieser Disziplin noch viel an der Technik gearbeitet werden. Denn im Hochsprung verlor Fabian nun mindestens 15cm und damit 115 Punkte auf die unmittelbaren Konkurrenten um einen Top-Ten Platz. Immerhin war er nach 9 Disziplinen noch in der vorderen Ranglistenhälfte platziert und konnte so den abschliessenden 1500m–Lauf mit der besseren Hälfte der Wettkämpfer absolvieren. Nach einem taktisch nicht allzu klugen Rennen kam er als 4ter in 4:50.09 in Ziel. Zwar holte er damit nochmal auf, jedoch nicht genug um sich vom 14. Rang nochmals nach vorne zu arbeiten. Mit 5381 Punkten lag er nur 62 Punkte hinter dem 11. Rang respektive 133 Punkte hinter den Top-Ten. Dennoch in Anbetracht der Umstände und vor allem auch mit den Fortschritten gegenüber dem Vorjahr darf man doch sehr zufrieden sein. Ohne die Hilfe der Physiotherapeutin Ildiko Neubauer vor und während dem Wettkampf wäre das Absolvieren des Mehrkampfes für ihn gar nicht möglich gewesen.

Alexia Groh startet mit ihrer Paradedisziplin, dem Hochsprung, in den zweiten Wettkampftag. Mit 1.59m reihte sie sich hier dann auch unter den besten Hochspringerinnen ein. Allerdings hatten sich ihr Coach Fabian Benkler eigentlich sogar eine Höhe über 1.60m erhofft. Trotzdem brachten Alexia die 724 Punkte für diese Leistung einige Ränge nach vorne. In ihrer nominell schwächsten Disziplin, dem Kugelstossen, gelang Ihr dann mit 8.30m eine neue PB, und der Punkteverlust gegenüber der unmittelbaren Konkurrenz hielt sich in Grenzen. Den abschliessenden 800m-Lauf absolvierte Alexia in 2:44.59. Damit erreichte sie in ihrem ersten 7-Kampf mit 4022 Punkten gleich ein Resultat jenseits der 4000Punkte-Marke und klassierte sich als 19. von insgesamt 44 gestarteten Athletinnen klar in der ersten Ranglistenhälfte.

Dick vermummt erschien Birk Kähli zum zweiten Wettkampftag. Er war immer noch zuversichtlich der Krankheit, die ihn ausgerechnet jetzt heimgesucht hatte, die Stirn zu bieten. Aber eben, mit dem Kopf alleine lassen sich keine guten Resultate erzielen. Nach 18s über 110mHürden und 33.49m im Diskuswerfen, folgte auch noch das Aus bei der Anfangshöhe im Stabhochsprung. Diese Enttäuschung wollte Birk nun noch in eine Trotzreaktion im Speerwerfen umsetzen, was ihm mit 44.55m, einer neuen PB, dann auch tatsächlich gelang. Nun war aber endgültig «Flasche leer» und im Interesse einer möglichst schnellen Genesung verzichtete Birk auf den abschliessenden 1500m-Lauf.

Aline Kämpf startete erst gegen 16h mit dem Weitsprung in ihren zweiten Wettkampftag. Zunächst sollte es noch nicht so richtig «laufen»: 5.43m im ersten Versuch und ein Ziehen in der Wade. Man diskutierte schon die Variante Verzicht auf die weiteren Versuche im Weitsprung, um die Wade zu schonen, verwarf dies dann aber in Anbetracht der Anwesenheit des Physioteams Ildi und Birol. Und siehe da, im dritten Sprung gelang Aline mit 5.61m gar noch eine neue PB und die Einbusse auf die besten Weitspringerinnen im Feld der U20-Mehrkämpferinnen hielt sich in engen Grenzen. Birols Streicheleinheiten für die Wade beflügelten dann zu einem fulminanten Speerwurf: 36.84m, neue PB und Bestweite im Feld der WU20. Damit stiess Aline die Tür zum Mehrkampf-SM-Titel ganz weit auf. Mit komfortablen 300 Punkten Vorsprung konnte sie in den abschliessenden 800m-Lauf starten und lief dort den Titel in 2:42.00 souverän nach Hause. Am Ende resultierten 5007 Punkte. Herzliche Gratulation!!!

Damit geht eine ereignisreiche Saison mit einem weiteren Höhepunkt aus Sicht des TVR zu Ende. Wir wünschen allen Athletinnen und Athleten eine gute Erholungsphase und dann nach den Herbstferien einen guten Start ins Wintertraining.

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